Die Wahl in Velden
So sieht die Wahl konkret in Velden aus: Zwei Listen und zwei Bewerbungen für das Bürgermeisteramt.
Wer zieht ins Rathaus ein? Es gibt zwei Bewerbungen
In Velden haben die Wahlberechtigten Glück und Pech zu gleich: Es existieren wieder nur zwei Parteilisten, die der SPD und die der CSU. Das macht die Politik einerseits klarer und übersichtlicher, bedeutet andererseits aber auch eine geringere Auswahl. Alle anderen Parteien verfügen nicht über Ortsgruppen. Dafür aber kommt diesmal durch eine Gegenkandidatin Spannung in den Kommunalwahlkampf. Denn Bürgermeister Herbert Seitz wird als Amtsinhaber herausgefordert. Die Union hatte bei den letzten zwei Kommunalwahlen keine eigenen Kandidaten aufgestellt und bewirbt sich nun wieder um die Wählergunst.
Wissenswert ist auch, dass sich auf beiden Listen, bei den Sozialdemokraten und bei der Union, Personen befinden, die nicht Parteimitglieder sind. Sie wollen sich für ihre Kommune engagieren und treten deshalb als freie Kandidaten und Kandidatinnen an, werden aber in die Listen der beiden großen Parteien einbezogen. Zur SPD gehört die Freie Wähler Vereinigung Velden FWV, zur CSU die Freien Bürger Velden. Mit den Freien Wählern, der Partei Hubert Aiwangers, haben sie nichts zu tun. Die sind in Velden genauso wenig vertreten wie Grüne, FDP, Linke oder AfD.
Ein Blick zurück
Bei der letzten Kommunalwahl 2020 wurde die SPD/Freie Wählervereinigung Velden stärkste Kraft mit 56,8%. Die CSU/Freie Bürger Velden kam auf 43,2%. Seither stellen SPD/FWV 7 und CSU/FBV 5 Stadtratsmitglieder - wie schon nach der Wahl in 2014. 2008 gab es noch einen Gleichstand von jeweils 6 Mitgliedern pro Liste.
Bürgermeister wurde 2020 (ohne Gegenkandidat/in) mit rund 94,5 Prozent erneut Herbert Seitz nach Siegen in 2008 (56,7%) und 2014 (97,9% - ebenfalls ohne Gegenkandidat/in). Das ist keine neue Entwicklung für Velden, sondern passt ins historische Bild: Schon seit langem stellt die SPD den Bürgermeister.
Anders waren die Verhältnisse bei der Kreistagswahl 2020. Hier entfielen auf die Stadt Velden folgende Ergebnisse: die CSU kam auf 32,6 Prozent, die SPD auf 22,3 Prozent, die Freien Wähler auf 17,3, die Grünen auf 15,8 und die AfD auf 4,6 Prozent.

Wahlergebnisse in Velden seit 2002 (Quelle: https://www.statistischebibliothek.de, Grafik: Günter Krauß)
Trumm oder Seitz?
Dr. Christine Trumm geht für die CSU ins Rennen. „Ich kandidiere als Bürgermeisterin, weil ich schon seit sechs Jahren kommunalpolitisch als Stadträtin engagiert bin und die entsprechende Erfahrung mitbringe. Ich finde, bei einer Wahl braucht es auch echte Auswahl. Das tut der Demokratie gut. Nachdem es bei den letzten beiden Kommunalentscheiden keinen Gegenkandidaten zu Herbert Seitz gab, haben wir uns diesmal dafür entschieden, um eben eine Alternative zu bieten. Die Fähigkeiten habe ich, darum habe ich die Kandidatur angenommen, als es an mich herangetragen wurde“. Schwerpunktmäßig will sie sich für eine gute Infrastruktur mit Einkaufsmöglichkeiten, Ärzten und anderen Angeboten einsetzen.
Für die SPD bewirbt sich Herbert Seitz erneut als Bürgermeister. „Gerne will ich weitermachen“, sagt er und betont zugleich, wie wichtig er konstruktive Zusammenarbeit in der Lokalpolitik findet. Schließlich gehe es um konkrete Dinge, die alle betreffen. Da sei nicht Ideologie, sondern Pragmatik gefragt. Und so läuft es auch in Velden - das belegt schon die Tatsache, dass die meisten Stadtratsbeschlüsse einstimmig getroffen werden. Seitz erklärt sich das zum Teil damit, dass er versuche, integrierend zu wirken, aber vor allem damit, dass er stets rechtzeitig und ausführlich über die anstehenden Projekte informiere. Das sei in der Kommunalpolitik das A und O. Dann könnten die Fraktionen jeweils vorab beraten und im Stadtrat gehe es produktiv zu.
Ein schönes Beispiel ist der Scheunentreff, den alle wollten und unterstützten. Um das kostenlose Angebot zu ermöglichen, zogen die Fraktionen an einem Strang, man konnte gar nicht dagegen sein. Hört man sich unter kommunalpolitisch aktiven Leuten in Velden um, wird das bestätigt. Man hält zusammen, für Grundsatz-Streitereien ist kein Platz. Allenfalls wird nach Stadtratssitzungen bei einem Bier darüber diskutiert, was man vom Agieren der eigenen Partei in Berlin hält oder was einen gerade außenpolitisch bewegt. Hier muss man sich nicht einig sein, sondern kann im Gegenteil im fruchtbaren Wettstreit um die besten Ideen über Konzepte debattieren. Demokratisch eben. Was die politischen Gräben auch ausgleicht und manchmal zuschüttet, ist das typische Leben in einem kleinen Ort. Schließlich sind so manche Veldener Stadträte und -rätinnen zusammen zur Schule gegangen, es gibt unter Kommunalpolitikern Freundschaften, die schon seit der Jugend bestehen - obwohl man sich für verschiedene Parteien entschieden hat. Solche Verbindungen zerreißen nicht so schnell. Nachbarschaft und Vertrautheit bleiben. Das prägt ein gesundes Gemeinwesen.