24-Stunden-Übung bei der Jugendfeuerwehr

Markus Wenzl

Aufstellung zur Personaleinteilung unserer 24-Stunden-Übung, hieß es am Freitag, den 24. Juli 2026, gegen 18 Uhr im Feuerwehrhaus für unsere Jugendfeuerwehr.

Insgesamt 14 Jugendliche nahmen dieses Jahr am sogenannten Berufsfeuerwehrtag teil. Durch die Ergänzung zweier Maschinisten und zweier Gruppenführer, die sich aus Jugendwarten, Betreuern sowie Kameraden der Einsatzabteilung zusammensetzten, konnten wir in Zugstärke zu den geplanten Übungseinsätzen ausrücken.

Aus organisatorischen Gründen wurde nach dem Einrichten der Schlafgemächer sowie der Einteilung in die jeweiligen Gruppen und Fahrzeuge zunächst gemeinsam zu Abend gegessen.

Thomas Begert, der uns bereits vor zwei Jahren während der 24-Stunden-Übung zur Kirwaprobe zum Pizzaessen eingeladen hatte, verköstigte uns auch dieses Jahr im Feuerwehrhaus mit selbstgemachten Pizzen. So kam der ein oder andere Nachwuchs-Pizzabäcker zum Vorschein.

Gut gestärkt war es dann mit Einbruch der Dunkelheit so weit: Die Alarmglocke schrillte zum ersten Übungseinsatz. „Günther“, unsere Verletztendarsteller-Puppe, wollte den Plecher Höhlenweg gehen und kam nicht mehr nach Hause zurück.

Da sich die Suche auf die Saalburggrotte, das Rohenloch und die Raumhöhle eingrenzen ließ, teilte sich die Mannschaft auf. Die Besatzung des HLF fuhr zur Saalburggrotte, die des LF 16 zur Raumhöhle. Nun hieß es zunächst, Licht ins Dunkel zu bringen. Die Wege zu den einzelnen Höhlen wurden mithilfe der Lichtmasten ausgeleuchtet, bevor die Höhlen erkundet wurden.

Die Verletztendarstellerpuppe liegt am Boden eines Waldwegs, die Retter um sich

Vermisster Günther aus Rohenloch geborgen (Foto: Benjamin Rott)

Leider konnte Günther zunächst nicht gefunden werden. Am Rohenloch trafen beide Gruppen wieder zusammen und begannen erneut mit der Erkundung. Dieses Mal hatten die Floriansjünger jedoch Glück: Die vermisste Person wurde in der Höhle aufgefunden. Mithilfe eines Spineboards sowie einer Rutsche aus unserer vierteiligen Steckleiter wurde Günther schonend nach unten gebracht und versorgt. 

Gegen 23:30 Uhr stellten wir die Einsatzbereitschaft wieder her und gingen zur Nachtruhe über. 

Die Jungfeuerwehrleute sind angetreten. Es ist nachts.

Aufstellung und Erläutern der Anforderungen eines Landeplatzes (Foto: Franziska Wolf)

Diese hielt allerdings nicht lange an. Auf Wunsch vieler Jugendlicher wurde der Schlaf in diesem Jahr verkürzt. Kurz vor 4 Uhr tönte unser Alarmsignal durch die stillen Schlafgemächer. Das Einsatzstichwort lautete diesmal: Hubschrauberlandeplatz ausleuchten. 

Kurz darauf rückten wir in Richtung Gewerbegebiet „Im Teich“ aus. Dort erläuterten wir die Anforderungen an einen geeigneten Hubschrauberlandeplatz und leuchteten anschließend einen Bereich entsprechend den grundlegenden Standards aus.  

Danach wurde der Schlaf bis 7:30 Uhr fortgesetzt. Beim Frühstück konnten sich die Jugendlichen nun für den heißen und langen Tag stärken. 

Gegen 9:45 Uhr ertönte erneut unser Warnsignal. Dieses Mal wurden wir zu einer ausgelösten Brandmeldeanlage (BMA) nach Münzinghof alarmiert. 

Am Bushäuschen wartete bereits Michael Taubmann von der Lebensgemeinschaft Münzinghof e. V. auf uns. Während eines Rundgangs durch das Dorf zeigte er uns, dass der Münzinghof weit mehr ist als nur eine Einrichtung für Menschen mit oder ohne Unterstützungsbedarf ist. Er vermittelte uns eindrucksvoll, dass hier Menschen unabhängig von Alter, Herkunft, Glauben oder körperlicher, beziehungsweise geistiger Verfassung ein Zuhause finden. 

Die Bewohner leben in ihren Wohnhäusern gemeinsam mit Hauseltern wie in einer Familie, essen miteinander und haben – wie jeder andere Mensch auch – die Möglichkeit, einer festen Arbeit in den verschiedenen Werkstätten, Stallungen oder in der Landwirtschaft nachzugehen. 

Wie es Herr Taubmann so schön sagte, als ein Bewohner durch unsere Gruppe lief, und sich mit uns unterhielt: „In der Stadt hätten Menschen wie er keine Chance ein normales Leben zu führen. Sie bräuchten immer Unterstützungsbedarf eines Pflegers. Bei uns schaut halt jeder auf jeden, und die Menschen können ein Stück Normalität leben“. 

Uns wurde auch die Gemeinschaft des Dorfes vorgestellt. In welcher Art sie zusammen Feste wie Pfingsten, Johanni, Weihnachten, etc. feiern. Auch der Tod spielt eine Rolle. Auf dem dorfeigenen Friedhof können die Bewohner zu ihren bereits verstorbenen Freunden gehen, und sie besuchen. 

Wie bereits erwähnt, leben hier Menschen aller Altersgruppen – vom Baby bis ins hohe Alter. Deshalb ist es auch nicht verwunderlich, dass es eines der wenigen Häuser für ältere Menschen mit Behinderung gibt. 

So, wie wir den Münzinghof an diesem Tag erleben durften, hatte ihn von uns bisher noch niemand kennengelernt. Mit vielen neuen Eindrücken und einem erweiterten, sehr positiven Blick auf diese besondere Lebensgemeinschaft kehrten wir anschließend ins Feuerwehrhaus zurück. 

Nach dieser interessanten Reise in eine außergewöhnliche Lebensgemeinschaft gab es zunächst Mittagessen. Julia Büttner hatte für uns Spaghetti Bolognese gezaubert. 

Nach der Stärkung wurde kurz vor 14 Uhr erneut die Alarmsirene betätigt. Das Einsatzstichwort lautete diesmal: Scheunenbrand zwischen Raitenberg und Münzinghof. Dieser Einsatz hatte eine Besonderheit. Die Kameraden aus Hartenstein führten zufällig am selben Wochenende ebenfalls ihre 24-Stunden-Übung durch, sodass wir die Gelegenheit für eine gemeinsame Einsatzübung nutzten. 

Jungfeuerwehrleute hantieren mit Schläuchen. Im Hintergrund drei Löschfahrzeuge.

Die Mannschaften der Jugendfeuerwehren Velden und Hartenstein beim Aufbau des Löschangriffs. (Foto: Frank Hollederer)

Somit standen neben unserem LF 16 (Löschgruppenfahrzeug), dem HLF (Hilfeleistungslöschgruppenfahrzeug) und dem Mehrzweckfahrzeug auch die beiden TSF (Tragkraftspritzenfahrzeuge) der Feuerwehren Enzendorf und Grünreuth sowie das TLF 4000 (Tanklöschfahrzeug) und das UTV (Utility Task Vehicle) der Feuerwehr Hartenstein zur Verfügung. 

Wir erstellten vom HLF einen Schnellangriff, von dessen Verteiler hinter dem Schuppen eine Riegelstellung mittels Wasserwerfer erstellt wurde. 

Währenddessen errichtete die Mannschaft des LF 16 gemeinsam mit den Kameraden aus dem Gemeindegebiet Hartenstein unsere Faltbehälter bei den beiden TSF. Diese dienten als Pufferspeicher für das Löschwasser. Nun hieß es: Saugschläuche kuppeln, Wasser fördern, Löschangriffe aufbauen und löschen.

Schnell mussten wir jedoch feststellen, dass selbst bei geringer Abgabemenge insgesamt knapp 7000 Liter Wasser nur ein Tropfen auf dem heißen Stein sind, sodass das TLF und unser LF16 Pendelfahrten einrichteten, um Löschwasser zu transportieren. 

Das UTV löschte währenddessen den Bereich rund um die Löschfahrzeuge und Pumpen ab, um ein Entzünden des trockenen Grases durch heiße Auspuffanlagen oder Abgase zu verhindern. Auch das Hydroschild der Kameraden aus Hartenstein wurde noch aufgebaut, bevor schließlich der Befehl zum Rückbau gegeben wurde. 

Nach einigen Fahrten unserer Wasserbringer wurde allen bewusst, dass wir im Ernstfall deutlich mehr wasserführende Fahrzeuge oder die Unterstützung der Landwirte mit Wasserfässern benötigen würden. 

Mit den letzten beiden Tankfüllungen wässerten wir die Wiese nochmals gründlich, um sicherzugehen, dass kein echter Einsatz aus unserer Übung entstehen würde. 

Beim Zusammenpacken traf unser Mehrzweckfahrzeug ein und meldete eine echte Rauchsäule in Richtung Neuhaus. Zwei Kameraden unserer Einsatzabteilung fuhren daraufhin zur Erkundung, während die übrigen Jugendlichen das LF 16 besetzten und sich auf den Rückweg zum Feuerwehrhaus machten.

Die Rauchsäule war von Münzinghof aus deutlich sichtbar, weshalb wir die Leitstelle informierten. Da zusätzlich mehrere Notrufe eingingen, wurde ein Einsatz ausgelöst und unsere Funkmeldeempfänger alarmierten. So bekamen unsere Jugendfeuerwehrler ganz unerwartet auch einen echten Einsatz mit. 

Die Lage war jedoch schnell geklärt. Die weithin sichtbare Rauchsäule stammte von einem bereits bekannten Feuer im Leitstellenbereich Amberg. Deshalb wurde die Einsatzfahrt wieder abgebrochen.

Zurück im Feuerwehrhaus machten wir die Fahrzeuge wieder einsatzbereit, wuschen sie und bereiteten anschließend alles für das gemeinsame Abschlussgrillen vor.

Grillmeister Uwe Brendel heizte in der Zwischenzeit den Grill an und wir ließen unsere 24- Stunden-Übung bei einem gemütlichen Beisammensein ausklingen.

Unser vollster Dank gilt Thomas Begert, Julia Büttner, Benjamin Rott, Frank Hollederer, Christoph Käufl, Franziska Wenzl, Lukas Dorner, Franziska Wolf, Enikö Molnár und Markus Wenzl, unserem Feuerwehrverein, der Feuerwehrführung, der Stadt Velden, der Lebensgemeinschaft Münzinghof e. V. – insbesondere Michael Taubmann – sowie den Kameradinnen und Kameraden aus dem Gemeindegebiet Hartenstein.

Ohne diese vielfältige Unterstützung wäre unsere 24-Stunden-Übung in dieser Form nicht möglich gewesen. Vielen Dank dafür!