Als Napoleon (nicht) in Velden war

Christine Trumm

Das Jahr 2026 ist nicht nur das Jubiläumsjahr „650 Jahre Stadtrecht Velden“, sondern im September findet ein weiterer Jahrestag statt: seit 220 Jahren gehört Velden zu Bayern.

Ganz freiwillig geschah dies allerdings nicht. Die freie Reichsstadt Nürnberg und damit auch der westlich der Pegnitz gelegene Teil des Pflegamts Velden mit der Stadt selbst wurden am 15. September 1806 um Punkt 10 Uhr von einem Bevollmächtigten des Kaiser Napoleons feierlich an Bayern übergeben. Unter Glockengeläut und Kanonendonner nahm Carl Friedrich Graf Thürheim, der bayerische Generalkommissär für die fränkischen Neuerwerbungen, die Huldigungen der Vertreter der Stadt Nürnberg entgegen.

Diesem Tag vorangegangen war eine Phase der Unsicherheit und mehrmaliger französischer Besetzung.

Im ersten Koalitionskrieg von 1792 bis 1797 diente die Hersbrucker Alb als Aufmarsch- und Lagergebiet.

Nach der französischen Niederlage in der Schlacht bei Amberg im August 1796 flüchteten die demoralisierten Truppen Jourdans überstürzt nach Westen zum Teil auch über engen Pfade der Fränkischen Schweiz und Hersbrucker Alb. Auf der Flucht hinterließen die Soldaten der Sambre-und-Maas-Armee verbrannte Erde. Plünderungen und Brandschatzung waren an der Tagesordnung. Wer Widerstand leistet, Vorräte oder Vieh versteckte, riskierte sein Leben.

Aus jener Zeit stammt auch die Sage vom weißen Kellergeist in Velden.

Es heißt, dass sich in einem der vielen Veldener Keller zuweilen ein weißer Geist blicken lässt. Dies aber nicht zur Mitternacht, sondern am hellen Tag zur Mittagsstunde.

Ein düsterer alter Keller mit Gewölbe

Ein alter Keller unter einem Veldener Wohnhaus (Foto: Christine Trumm)

So wollten im Jahr 1796 französische Soldaten nach einer verlorenen Schlacht in Velden Quartier nehmen. Sechs Reiter sollten mit ihren Pferden in jenem Keller untergebracht werden. Zur Mittagsstunde erschien den Soldaten nun der schneeweiße Geist im Keller. Voller Angst und Schrecken flüchteten diese so schnell sie konnten und ließen Velden hinter sich.

Dies konnte den Veldener Bürgern nur Recht sein.

Schon lange hat man den Kellergeist nicht mehr gesehen. Es wird erzählt, dass er nur erscheint, wenn Velden in höchster Not ist.

Hoffen wir, dass der weiße Kellergeist noch lange im Verborgenen ruhen darf.