Das Aus fürs alte Badhaus

Angelika Krauß

Das Gebäude Marktplatz 22 muss bald dem Bau einer Behelfsbrücke weichen, da die alte, einsturzgefährdete Brücke über die Pegnitz abgerissen wird. Alteingesessene Veldenerinnen und Veldener nennen das Gebäude oft den "Meierladen".

Das Haus Marktplatz 22 hat eine bewegte Geschichte - auch wenn man ihm es von außen nicht ansieht - und könnte viel erzählen. Vom Beginn als öffentliches Badehaus im 16. Jahrhundert über einen Tante-Emma-Laden Mitte bis Ende des 20. Jahrhunderts und vom Ausstellungsraum für kunsthandwerkliches Porzellan von März 2022 bis August 2025. Selbst die Zweigstelle einer Bank war einmal im Erdgeschoss in einem Raum neben dem Laden untergebracht. Im Sommer 2022 entdeckte ich bei einer kleinen Ausstellung im Veldener Pflegschloss auf dem Nachdruck einer jahrhundertealten Stadtkarte das Gebäude Marktplatz 22 das darauf als Badhaus (mit Nr. 54) eingetragen war. Welch eine Überraschung, da wollte ich unbedingt mehr darüber wissen.

Der Bader im Badhaus

Im Gebäude Marktplatz 22 befand sich einmal in Velden das öffentliche Badehaus, wie es früher in fast allen kleinen und großen Städten üblich war und sehr lange bevor Badewannen und Duschen im Privatbereich zum Standard wurden. Der vollständig erhaltene Dachstuhl und ein zugeputztes, jetzt nicht mehr sichtbares Fachwerk stammen aus der 1. Hälfte des 17. Jahrhunderts. Es wird vermutet, dass massive Außenmauern auf eine noch frühere Zeit hinweisen. 

Der Betreiber vom Badhaus wurde Bader genannt und er sorgte nicht nur für heißes Wasser sondern war beruflich sozusagen ein Multitalent. Er schnitt z.B. Haare, zog Zähne, verband Wunden, schiente Knochenbrüche, setzte Schröpfköpfe. Auch das "Ader lassen" gehörte zu seinem Dienstleistungsangebot. Dabei wurde an bestimmten Stellen die Haut angeschnitten und das Blut in einer Schüssel aufgefangen. Nach der damaligen Vorstellung konnten so die "schlechten Säfte" den Körper verlassen und eine Heilung von diversen Krankheiten ermöglichen.

Für den Besuch in der Badstube gab es spezielle Badekleidung. Frauen trugen ein kurzes ärmelloses Leinenhemd, Männer eine kleine Badehose. Auch ein Badehut aus Stroh war üblich. Dem Badewasser wurden oft zur Vorbeugung von Krankheiten Heilkräuter zugegeben, doch trotz aller Bemühungen um Körperhygiene blieben Krankheitsübertragungen an diesem Ort nicht aus.

Wer die Badstube betreiben durfte entschied damals der Veldener Stadtrat ebenso wie die Höhe der Kosten für die Besucherinnen und Besucher. Bürger mit eigenem Holzrecht waren verpflichtet dem Badhaus Brennholz bereitzustellen. Die Ausbildung zum Bader dauerte drei bis vier Jahre. Aus dieser vielseitigen Tätigkeit gingen im Laufe der Zeit Orthopädie, Chirurgie, Zahn- und Augenmedizin, Heilpraktiker, medizinischer Bademeister, Friseur etc hervor. 

Familie im Badhaus. Fotografiert in der Ausstellung im Badhaus Pommelsbrunn im Juli 2025 (Fotos: Angelika Krauß)

1843 endete der Betrieb im Badhaus am Standort des heutigen Marktplatz 22. Bis Ende des 19. Jahrhunderts übte der letzte approbierte Veldener Bader Johann Rammelkammer seine Tätigkeit in einem anderen Gebäude aus. Das Badhaus Velden ist in einem zweiseitigen Beitrag in einer Publikation des Fränkischen Freilandmuseums Bad Windsheim eingetragen.

Vom Badhaus zum Meierladen

Das Haus Marktplatz 22 wurde im Laufe der Jahrhunderte zu oft umgebaut und steht deshalb nicht unter Denkmalschutz. Unbedingt vor der Abrissbirne gerettet werden muss aber die Ladeneinrichtung aus den 1950ern. Sie ist handwerklich top ausgeführt und vor allem ein Stück Veldener Alltagsgeschichte.

Was mir die Leute alles erzählt haben, wie sie als Kinder mit leuchtenden Augen vor Weihnachten am Schaufenster mit den Spielsachen standen, Erinnerungen haben an Wolle, Kittelschürzen, Süßigkeiten in den Regalen und vielen Schubladen, den Geruch von früher in der Nase beim Betreten des Ladens... ich stelle mir vor eine Mischung aus Kernseife, Bohnerwachs, Mottenkugeln und in einer Ecke ein bisschen nach Ahoj-Brausepulver und Colafläschchen.

Vom Meier- zum Porzellanladen

Bevor ich im März 2022 mit meinem Porzellan einzog stand der Laden schon um die 20 Jahre leer. Es wurde mir später erzählt, dass Frau Meier die Umstellung auf den Euro nicht mehr mitmachen wollte. An dieser Stelle nochmals ganz großen Dank an Bürgermeister Herbert Seitz und die Stadt Velden für das tolle Angebot zur Leerstandsnutzung. Es war von Anfang an klar, dass ich nicht allzu lange bleiben kann. Die dreieinhalb Jahre sind schnell vergangen. 

Schaufenstergestaltung im Mai 2025

Während dieser Zeit war ich natürlich trotzdem mit meinem Porzellan von hier bis zum Schwarzwald, Fichtelgebirge, Leipzig und Oberbayern unterwegs. Mein Schwerpunkt lag und liegt weiterhin auf der Region Hersbruck, Nürnberg, Erlangen und das bleibt auch in Zukunft so. Die Chancen mich auf einer nicht allzu weit entfernten Veranstaltung anzutreffen sind also sehr gut, u.a. vom 3. bis 5. Oktober 2025 bei der Firma "Die Möbelmacher" in Unterkrumbach im Rahmen des "Tag der Regionen". Am15. und 16. November 2025 bin ich beim Kunstmarkt im Stadthaus in Hersbruck und vom 5. bis 14. Dezember 2025 im Stadtmuseum Fembohaus in Nürnberg. 

Weitere Termine und Infos unter www.krauss-keramik.de

Alte Ladeneinrichtung abzugeben

Um nochmals auf die Ladeneinrichtung zurückzukommen: es gibt schon einige ernsthafte Interessenten aus der näheren Umgebung und aus Nürnberg. Vielleicht finden sich sogar noch Menschen hier vor Ort die etwas gebrauchen können. Leider ist es nicht möglich aktuell einen adäquaten Platz für das komplette Mobiliar direkt in Velden ausfindig zu machen und die Einlagerung auf ungewisse Zeit in einer Scheune macht nicht wirklich viel Sinn. Für einen Besichtigungstermin bitte gerne bei mir melden unter (01 57) 72 48 89 23.

Blick in den Laden im März 2022

Quellenangaben

  • Kreisheimatpfleger Robert Giersch. 
  • "Häuser- und Bürgerchronik der Stadt Velden" von Hans Claus Neubing. 
  • "... dem ist sein paden nuetz und guet. Badhäuser und Bader in Franken", Band 92 Schriften und Kataloge des Fränkischen Freilandmuseums Bad Windsheim. 
  • Gespräche mit Veldenerinnen und Veldenern. 
  • Ausstellung im Badhaus Pommelsbrunn (das letzte im ländlichen Raum Deutschlands erhaltene)