Sturm auf Velden

Wolfgang Schwarm

Anlässlich des 650-jährigen Jubiläums der Stadtrechtsverleihung Velden wurde in der voll besetzten Stadtscheune der Film „Sturm auf Velden“ gezeigt. Die Produktion, deren Ideengeber Hans-Claus Neubing war, dokumentiert ein außergewöhnliches Geschichtsereignis zur Zeit des Dreißigjährigen Krieges, das 1989 von Veldener Laiendarstellern inszeniert und aufgeführt wurde.

Als Ehrengast berichtete Walter Tausendpfund über Planung und Entstehung des Films. Der Heimat- und Mundartautor hatte die historischen Ereignisse rund um den sogenannten Sturm auf Velden im Jahr 1627 literarisch aufgearbeitet. Grundlage bildeten überlieferte Berichte sowie historische Darstellungen, die Tausendpfund mit dichterischer Freiheit zu einem dramatischen Bühnenstück formte.

Gruppe Menschen vor historischer Kulisse.

Das Bild zeigt von links Walter Tausendpfund, der das Stück geschrieben hat und Darsteller von damals Marianne Schäfer, Klaus Begert, Anni Depner, Lars Kustner, Erika Schulze, Christa Begert, Thomas Begert und Bürgermeister Seitz. (Foto: Wolfgang Schwarm)

Vor der historischen Kulisse des ehemaligen Pflegschlosses führten rund 40 Veldener Laienschauspieler das Stück im Festjahr 1989 erstmals auf. Die Inszenierung wurde weit über die Region hinaus beachtet: Lob und Anerkennung erreichten die Stadt aus ganz Deutschland. Die Begeisterung erinnerte an eine historische Tradition, denn schon nach den Ereignissen des 17. Jahrhunderts hatten die Bürger Veldens den Wunsch geäußert, ihren erfolgreichen Widerstand dauerhaft als Feiertag zu begehen. Dies wurde damals von Nürnberg zwar abgelehnt, jedoch erlaubte man den Bürgern ein jährliches Freischießen – eine Tradition, die bis 1776 gepflegt wurde und nach dem Heimspiel von 1989 symbolisch wiederbelebt werden sollte.

Der historische Hintergrund des Stücks führt in die Wirren des Dreißigjährigen Krieges. Nach den militärischen Erfolgen der kaiserlichen Feldherren Tilly und Wallenstein schlossen sich mehrere protestantische Fürsten – darunter die Markgrafen von A„Sturm auf Velden“:nsbach und Bayreuth/Kulmbach – den kaiserlichen Truppen an. Neue Soldatenverbände wurden im Nürnberger Land zusammengezogen, um gegen den dänischen König Christian IV. eingesetzt zu werden.

Die Einquartierung der Truppen brachte jedoch große Belastungen für die Bevölkerung mit sich. Viele Bauern flohen in befestigte Städte, während Velden sich gegen weitere Einquartierungen wehrte. Die Bürger verwiesen auf die bereits herrschende Notlage, da zuvor Flüchtlinge aus umliegenden Gebieten aufgenommen worden waren.

Der Nürnberger Pfleger in Velden geriet dadurch in einen schweren Loyalitätskonflikt: Einerseits wollte Nürnberg keinen offenen Streit mit kaiserlichen Stellen riskieren, andererseits litt die Bevölkerung zunehmend unter Versorgungsknappheit und Unsicherheit. Verhandlungen mit militärischen Befehlshabern scheiterten, und die Lage eskalierte.

In der Nacht vom 19. Mai 1627 erreichte die Krise ihren Höhepunkt: Zwischen zwei und drei Uhr morgens setzte eine zahlenmäßig überlegene Truppe zum Angriff auf Velden an. Die Bürger verriegelten die Stadttore und leisteten entschlossenen Widerstand. Mit einfachen Mitteln, aber großer Entschlossenheit verteidigten sie ihre Stadt gegen die Angreifer. Selbst hochrangige Befehlshaber sollen aus ihrem Hauptquartier in Fürth herbeigeeilt sein, um den erwarteten Sieg mitzuerleben.

Der „Sturm auf Velden“ gilt bis heute als ein herausragendes Ereignis in der wechselvollen Geschichte der Stadt an der oberen Pegnitz. Im Rahmen weiterer Jubiläumsveranstaltungen soll die Erinnerung an diese Episode des Dreißigjährigen Krieges erneut lebendig gehalten werden – als Verbindung von historischer Erinnerung, regionaler Identität und lebendiger Heimatkultur. Aufgrund der hohen Nachfrage sind weitere Filmvorführungen geplant.